40 Jahre Diakonie-Wohnungslosenhilfe in Mönchengladbach. Und immer noch Vorurteile. Zeit, genauer hinzusehen.
Vorurteile sind schnell ausgesprochen. Die Wirklichkeit ist komplexer.
Menschen verlieren ihre Wohnung nicht, weil ihnen ein Zuhause gleichgültig ist. Häufig kommen mehrere Belastungen zusammen. Wer Wohnungslosigkeit allein als persönliches Versagen betrachtet, blendet gesellschaftliche Ursachen aus – und erschwert den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Vorurteile schaffen Distanz. Wissen schafft Verständnis.
Krankenpflege ist ein wichtiger Teil der Wohnungslosenhilfe. Viele wohnungslose Menschen leben mit mehreren Erkrankungen gleichzeitig. Häufig treten Atemwegs- und Hauterkrankungen, Erschöpfungszustände, Herzleiden, Wunden oder chronische Beschwerden auf. Auch psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen spielen eine große Rolle.
Die Pflegekräfte des Fachbereichs versorgen, hören zu, schaffen Vertrauen und helfen dabei, den Zugang zum regulären Gesundheitssystem wiederherzustellen.
Die beste Hilfe beginnt, bevor die Wohnung verloren geht.
Je früher Unterstützung einsetzt, desto größer ist die Chance, Wohnungslosigkeit zu verhindern.
Beratung bei Mietschulden, Unterstützung bei Konflikten mit Vermieter*innen und Hilfe im Kontakt mit Behörden können dazu beitragen, dass Menschen ihre Wohnung behalten.
Wichtig ist: nicht warten, bis Kündigung oder Räumung unmittelbar bevorstehen. Frühzeitige Beratung kann neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen.
Wohnungsverlust verhindern heißt, Lebensgrundlagen zu sichern.
Kommunale Verantwortung und Ziel 2030
- Das Ziel: Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis 2030 überwinden.
- Grundlage ist der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit, beschlossen am 24. April 2024.
- Ende Januar 2026 waren in Deutschland rund 452.900 untergebrachte wohnungslose Personen gemeldet.
- Diese Statistik erfasst nicht alle Menschen ohne Wohnung.
- Das Ziel braucht bezahlbaren Wohnraum, wirksame Prävention, verlässliche Finanzierung und ein vernetztes Hilfesystem.
Wohnungslosigkeit ist keine Aufgabe, die einzelne Menschen oder Hilfeträger allein lösen können. Bund, Länder, Kommunen, Wohnungswirtschaft, soziale Träger und Zivilgesellschaft müssen gemeinsam handeln.
Kommunen tragen dabei eine zentrale Verantwortung: für Prävention, menschenwürdige Unterbringung, ein gut vernetztes Hilfesystem und die Unterstützung bei der Rückkehr in eigenen Wohnraum.
Das Ziel, Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis 2030 zu überwinden, ist ambitioniert. Es bleibt aber notwendig. Aus einem politischen Ziel müssen vor Ort konkrete und verlässlich finanzierte Maßnahmen werden.
Wohnungslosigkeit ist lösbar – wenn Verantwortung geteilt und konsequent wahrgenommen wird.